Position SPÖ LH Peter Kaiser zum Thema Bildung

LH Kaiser: Mein Leitgedanke für den Bereich der Bildung: Kärnten gewinnt an Wissen - Kärnten ist das Land der klügsten Köpfe!

 

Nur mit der besten Bildung sind die Herausforderungen der Zukunft zu meistern! Daher muss Bildung bereits spielerisch in frühkindlichem Alter beginnen, sehen wir Kindergärten als Bildungsgärten. Unser Projekt sieht vor, dass wir die Kinderbetreuung von 0 bis 6 Jahren für Eltern kostenlos anbieten (ausgenommen nur Essensbeitrag), die qualitative Weiterentwicklung der Kinderbetreuung durch zusätzliche Fachkräfte (Kindergarteninspektorinnen) sicherstellen, den Übergang vom letzten Bildungsgartenjahr in die Volksschule durch intensiveren Erfahrungsaustausch der Betreuerinnen für die Kinder noch einfacher gestalten und ganztägige Schulformen in allen Regionen mit dem Ziel der „schultaschenfreien Schule“ ausbauen.

 

Die neuen Möglichkeiten der Schulautonomie, die die letzte Bildungsreform beinhaltet, müssen wir nutzen. Von unterschiedlichen inhaltlichen Schwerpunktsetzungen bis hin zur Erweiterung der Grundkompetenzen Lesen, Schreiben, Rechnen durch Coding, um so schon frühzeitig Verständnis und Bewusstsein für Digitalisierung und Programmierung zu fördern. Digitale Kompetenzen, das nötige Verständnis und Bewusstsein dafür sollte schon in jungen Jahren vermittelt werden. Daher sollte damit auch in Österreich bereits in der Volksschule begonnen werden. In Deutschland beispielsweise ist das schon Unterrichtsrealität. Und auch in Kärnten gibt es einzelne Pilotversuche z.B. Volksschule Sörg, VS Feldkirchen, VS Friesach, Projekte mit VSSchülerInnen und Kindergartenkinder in der Informatik-Didaktikwerkstatt an der AAU – einfaches Programmieren.

 

Entsprechende Sprachkenntnisse – Deutsch und Englisch - sind dafür Voraussetzung. Diese sind vor allem bei Kindern mit Migrationshintergrund rasch zu verbessern, allerdings nicht in eigenen „Ausländerklassen“, sondern durch geeignete Fördermaßnahmen im Klassenverband und, wenn notwendig, inklusive temporärer Trennung. Das erfolgreich eingeleitete Schulstandortkonzept, das jeder Gemeinde zumindest eine Volksschule garantiert werden wir ebenso weiter konsequent umsetzen, wie das Berufsschulkonzept. Auch die Schulbauoffensive mit dem Schwerpunkt auf Errichtung moderner Bildungszentren, die Schüler und Lehrer auch vor dem Hintergrund der Digitalisierung die Schule als Lern- und Lebensraum erleben lässt, werden wir konsequent fortsetzen.

 

Im Zuge dessen, soll jede Schule auch ihre eigene Bühne für Veranstaltungen erhalten. Verstärkte Berufsorientierung in Kombination mit erfolgreichen Institutionen wie dem Test- und Ausbildungszentrum wird ein weiterer wichtiger Mosaikstein sein, um einerseits die Talente und Stärken der Jugendlichen noch besser zu fördern und andererseits den Bedarf an Fachkräften seitens Wirtschaft und Industrie erfüllen zu können. Insbesondere der Lehrlingsausbildung werden wir großes Engagement widmen – nicht mehr nur Lehre mit Matura sondern auch Lehre nach Matura wollen wir zu einem Erfolgsprojekt machen.

 

Um Lehrberufe zu attraktivieren, treten wir auch für eine MindestLehrlingsentschädigung von 700 Euro ein. Gemeinsam mit Gratis-Nachhilfe soll uns das auch unserem Ziel näher bringen: Jedem Kind seinen Schulabschluss und jedem Jugendlichen seinen Ausbildungsplatz. Wir wollen Studienangebote an Kärntner Fachhochschulen und an der Universität erweitern und das Landeskonservatorium zu einer Musikuniversität ausbauen. Gerade die Digitalisierung macht es notwendig, in Zukunft lebenslanges Lernen noch mehr zu internalisieren. Auch in Kärnten müssen wir das Angebot im Bereich der Erwachsenenbildung erweitern und auf die sich ändernden Erfordernisse am Arbeitsmarkt abstimmen.

 

1. Wie soll der Brain Drain aus Kärnten gestoppt werden?

Das umfasst alle gesellschaftlichen und politischen Bereiche – dazu hab ich auch Kollegin Astrid Jäger für den Schwerpunkt „Randregionen“ bereits ein Argumentarium gesendet.

 

Wichtig ist es, das tertiäre Bildungsangebot so attraktiv zu gestalten, dass Maturantinnen und Maturanten ihre studentische Ausbildung in Kärnten absolvieren. Siehe dazu auch Antwort auf Frage 2. In weiterer Folge müssen aber auch hochwertige Arbeitsplätze in ausreichendem Maß zur Verfügung stehen, um den Absolventen entsprechende berufliche Perspektiven zu bieten. Anreize zur Einstellung schaffen wir beispielsweise mit der Initiative Akademikerjobs - Voraussetzung für eine Förderung im Rahmen von „AkademikerInnenjobs in Kärnten“ ist ein unbefristetes bzw. mindestens sechs Monate dauerndes Dienstverhältnis (Vollzeit bzw. mind. 75 Prozent).

 

Zielpersonen sind Jungakademikerinnen und Jungakademiker bzw. Studierende am Ende des zweiten Studienabschnittes. Es werden 50 Prozent des Bruttogehaltes für einen Zeitraum von bis zu zwölf Monaten gefördert. Die Förderobergrenze beträgt 18.000 Euro pro Dienstnehmer und Unternehmen pro Jahr. Doppelförderungen sind ausgeschlossen und werden vorab geprüft.

 

Auch die Unterstützung beim Weg in die Selbstständigkeit gehört zu wichtigen Maßnahmen, so z.b. die Aktion EPU +1: Unternehmer können für ihren ersten Angestellten vom AMS einen Zuschuss von bis zu 25 Prozent der Jahres-Bruttolohnkosten beantragen, dazu kommt eine zusätzliche Anschlussförderung von bis zu 5.000 Euro vom Land.

 

Erfolgreiche Beteiligungen Kärntens (Silicon Austria, Joanneum Research) und die damit verbundene Arbeitskräftenachfrage sollten dem brain drain ebenso entgegenwirken, wie beispielsweise der Start der Koralmbahn. Wenn die Fahrzeit Graz-Klagenfurt nur mehr 45 Minuten und Wien-Klagenfurt 150 Minuten beträgt, dann wird die hohe Lebensqualität in Kärnten möglicherweise erst recht zu einem Anziehungspunkt – Stichwort: Dort arbeiten können, wo andere Urlaub machen.

 

Ebenfalls als Maßnahme gegen den brain drain wirken Bemühungen zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf – in erster Linie zählen dazu entsprechende Kinderbetreuungsplätze. Nicht zuletzt in dieser Hinsicht kommt auch unserem Projekt „beitragsfreie Kinderbetreuung von 0 bis 6 Jahren“ eine ganz besondere Bedeutung zu. Ebenso wie ganz allgemein, Maßnahmen in punkto Lebensqualität (Maßnahmen zum Schutz unseres Trinkwassers, der sauberen Luft, der Natur…) sowie von Unterstützungen wie beispielsweise beim Verwirklichen des Traums von den eigenen vier Wänden (Jungfamilienförderung, höhere Wohnbeihilfe/Wohnbauförderung…). …….

 

2. Sollten Kärntens Hochschulen andere Schwerpunkte setzen als bisher, also ihr Studienangebot verändern oder erweitern?

Schließt an Frage 1 an. An der AAU wird gerade das Studium der Sportwissenschaften implementiert. Sport und Wirtschaft sollen künftig Leuchtturmcharakter haben. Junge Leute aus Österreich und aus dem benachbarten Ausland sollen als Erstes an Klagenfurt denken, wenn sie diese Studienrichtungen ins Auge fassen.

 

Neue Stiftungsprofessuren, gerade in Zukunftsbereichen wie Digitalisierung, Industrie 4.0 steigern unsere Attraktivität. Die FHs müssen ihr Angebot verstärkt an der Nachfragesituation orientieren. Engineering & IT, Digitalisierung bzw. digitale Transformation werden neben Bauingenieurwesen & Architektur sowie Gesundheit & Pflege die zukünftigen Schwerpunktthemen sein, mit denen sich die FH Kärnten nicht nur an junge Kärntnerinnen und Kärntner, sondern auch an Interessierte aus dem Alpe-Adria-Raum wendet. Alle tertiären Bildungseinrichtungen werden sich auch dem Thema "Lebensbegleitendes Lernen" annehmen.

 

3. Wie soll der Kärntner Forschernachwuchs gefördert werden?

Derzeit gibt es für Kärntner Pflichtschulen die Möglichkeit das NAWI Zentrum im Lake Side Park zu nutzen. Verstärkte Kooperationen zwischen den Volksschulen und den weiterführenden Schulen fördern. Der Schwerpunkt soll auf den MINT-Bereich gelegt werden, wobei bereits im Kindergartenalter angesetzt werden soll. Weiters Zusammenarbeit und Kooperationen mit Wirtschaft und Industrie ausbauen.

 

4. Das Interesse an verschränkten Ganztagsschulformen hält sich bei vielen Eltern in Grenzen. Wie kann das geändert werden?

Best Practice Beispiele an Pilotschulen initiieren, Pilotschulen mit qualitativ hochwertigem Angebot – entsprechend mit Ressourcen ausstatten, alle derzeitigen Angebote (Musikschulen, Sportvereine, Kulturvereine…) in ein GTS-Konzept integrieren, volle Kostenübernahme durch die öffentliche Hand, Bewusstseinsbildung in der Öffentlichkeit, öffentliches Verkehrsangebot anpassen.

 

5. Das Land setzt auf den Ausbau von sogenannten Time-Out-Gruppen. Ist das weiterhin der richtige Weg um mit verhaltensauffälligen Kindern umzugehen oder sollten andere Ansätze gewählt werden?

Wie der Name schon sagt, sollen betroffene SchülerInnen nach einem zeitlich begrenzten Aufenthalt in einer TO-Gruppe wieder in die Regelklasse zurückkehren. Durch professionelle Unterstützungsmöglichkeiten in TO Gruppen ist es der richtige Weg, bestmögliche Vernetzung mit außerschulischen Institutionen ( Jugendwohlfahrt…) herzustellen. Rahmenbedingungen (Räume, Ausstattung…)sind zu verbessern.

 

6. Was kann gegen Mobbing an Schulen getan werden?

Das Bildungsjahr 2017/18 ist dem Thema „Gegen Mobbing und Gewalt im Bildungsbereich“ gewidmet. Dazu werden verschiedene landesweite Initiativen durchgeführt, die für dieses Thema sensibilisieren sollen, um in weiterer Folge Mobbing vorzubeugen und im Anlassfall gezielt intervenieren zu können, Auftaktkonferenz fand am 7. September 2017 an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt statt, Neuauflage der Kärntner „Anti-Mobbing-Fibel“ der Kinder- und Jugendanwaltschaft Kärnten, welche in Zusammenarbeit mit dem Landesschulrat für Kärnten erstellt wurde, Workshops „Schüler/innen helfen Schüler/innen“ in den Räumlichkeiten des LSR, Filmprojekt „Cybermobbing keine Chance geben“…., Thematik in den Unterricht einbauen.

 

7. Wie können begabte Kinder besser gefördert werden?

Im Rahmen der schulischen Tagesbetreuung bieten sich gute Möglichkeiten Begabungen zu erkennen und in temporär gebildeten Kleingruppen an jeweiligen Schulstandorten zu fördern, Segregation ist nicht förderlich – „Voneinander lernen“, Sommerschule…

 

8. Wie sollen sogenannte Brennpunktschulen unterstützt werden, die von vielen Kindern besucht werden, die Mirationshintergrund haben bzw. aus schwierigen sozialen Verhältnissen stammen?

Ressourcen aufgrund von indexbasierten Mittelzuteilungen vergeben, unter dem Aspekt der schwierigen sozialen Verhältnisse, Migration….. Bildung von Brennpunktschulen durch geschickte Ansiedelungspolitik größtmöglich vermeiden.

 

9. 14 Prozent der Kärntner Viertklässler können kaum lesen oder schreiben. Was kann dagegen getan werden?

Das Erlernen von Kulturtechniken wie Lesen und Schreiben kann nur durch ein Zusammenwirken von Schule und Elternhaus nachhaltig verbessert werden, Bewusstseinsbildung in der Öffentlichkeit fördern.