Was wären Ihre drei wichtigsten wirtschaftspolitischen Aktivitäten für den Kärntner Arbeitsmarkt? Wie würden Sie Kärntens Weg der Digitalisierung umsetzen?

LH Kaiser: Mein Ziel: Kärnten zum Kalifornien Österreichs machen.

Die drei wichtigsten Maßnahmen entsprechen dem Tripple I – Innovation, Investition, Internationalisierung.

 

Gemäß diesem Leitsatz wird es wichtig sein, den erfolgreich eingeschlagenen Kärntner-Weg weiterzugehen und nicht zu gefährden. In der Forschungs- und Entwicklungsachse Süd, die wir gemeinsam mit der Steiermark bilden, haben wir die richtigen Weichen gestellt. Jetzt gilt es, ua erfolgreich für Kärnten an Land gezogene Beteiligungen wie z.B. Silicon Austria konsequent zu nutzen.

 

Ich will die Mikroelektronik-Branche mit Silicon Alps, Silicon Austria, Lakeside Park Klagenfurt, Joanneum Research, K-Wood, High Tech Campus Villach, CTR als Herzstück des technologischen Fortschritts zur Vorzeigeregion in der EU machen. Kärnten kann in dem Bereich zum Kalifornien, unser Zentralraum zum Silicon Valley, Österreichs werden.

 

Daher werden wir ein Hauptaugenmerk darauf legen, unser Land schnellstmöglich mit Glasfaser für ultraschnelles Internet auszustatten – nicht nur für die Wirtschaft, auch für unsere Haushalte. Dazu müssen wie auch in anderen Wirtschaftsfeldern aber grade im Bereich der Digitalisierung Betriebsansiedelungen forciert werden. Digitalisierung, Industrie 4.0 werden unsere Wirtschafts- und Arbeitswelt immer weiter und schneller verändern. Dafür muss Kärnten gerüstet sein. Wir wollen die großartigen Chancen, die sich dadurch für Kärnten und seine Bevölkerung ergeben, nutzen können, und gleichzeitig niemanden zurücklassen.

 

Auch und gerade der ländliche Bereich kann und muss davon profitieren. Telearbeit, Vernetzung via Internet, smart life machen es möglich von überall zu arbeiten – bestes Beispiel ist Bernd Serafin Thaler, der mit seiner Schuh-Design-Manufaktur vom Mölltal aus Schuhe für internationale Stars wie lady gaga produziert. Viele Berufe von heute wird es in Zukunft nicht mehr geben, das war bei jeder industriellen Revolution so (heute gibt es z.B. auch keine Telefonistin mehr, die Anrufe analog umsteckt), dafür entstehen laufend neue.

 

Schon jetzt gibt es in Kärnten eine Szene junger kreativer Unternehmer und Gründer, eine lebendige Start Up-Szene. Dieses Potential müssen und werden wir noch viel stärker nutzen. Zum Einen, indem wir junge Leute motivieren, ihre Ideen zu realisieren, ihnen dabei zu helfen, ihren Carinthian dream zu leben, ihnen die Angst vor dem Scheitern zu nehmen, indem wir beispielsweise Venture Fonds einrichten, mehr finanzielle Unterstützung zukommen lassen.

 

Das kann auch in Form von Gewerbekrediten sein, angelehnt an das System Wohnbauförderung: lange Laufzeit, niedrige Zinsen, Bonus bei vorzeitiger Rückzahlung. Mit der Digitalisierung gilt es auch bestehende Wirtschaftsunternehmen zukunftsfit zu machen. Zum anderen müssen wir Ideen und Möglichkeiten der Start Ups mit der bestehenden Wirtschaft und Industrie verknüpfen, so dass sie wechselseitig profitieren indem die einen effiziente Lösungen für die Produktion von Wirtschaft und Industrie erarbeiten.

 

Wichtig wird es auch sein, dass Wirtschaft und Industrie auf entsprechende Fachkräfte zugreifen können. Daher müssen wir insbesondere in die Ausbildung investieren und entsprechend attraktive Angebote schaffen, unter anderem neue Studienangebote an unsere Uni und der FH, neue Qualifizierungsmaßnahmen über AMS, WIFI, VHS usw.

 

Das Erfolgsprojekt Lehre mit Matura möchten wir ausweiten und mit einer verkürzten Lehre nach Matura mehr junge Leute dazu motivieren, sich zu Facharbeitern ausbilden zu lassen. Unterstützung muss es auch für Ein-Personen-Unternehmen (EPUs) geben, etwa in Form von Schulungen, Softwarelösungen (Buchhaltung), Vermittlung digitaler Kompetenzen (Online-Marketing, InternetMärkte).

 

Zusätzlich müssen wir Kärntner Fachkräfte, die im Ausland tätig sind und weitere Fachkräfte dazu motivieren, ihren Arbeits- und lebensmittelpunkt nach Kärnten zu verlegen. Dazu möchte ich ein Carinthian Welcome Center (CWC) einrichten, als Heimholaktion für Fachkräfte mit Anreizen für den Umzug nach Kärnten durch Unterstützung in allen Lebensbereichen, etwa bei Wohnungssuche, Kinderbetreuung, Aus- und Fortbildung usw.

 

Darüber hinaus müssen wir Rahmenbedingungen schaffen und sichern: Die Sicherung der Stromversorgung gehört ebenso dazu wie eine sofort einzuleitende Straßensanierungsoffensive oder die Anbindung an internationale Verkehrswege, sei es über das Logistic Center Austria South in Villach Fürnitz, das wir nach den Vorbildern Saragossa und Duisburg zu einem internationalen Trockenhafen ausbauen wollen, die Koralmbahn oder den Flughafen in Klagenfurt.

 

Kürzere Verfahrensdauern bei Betriebsansiedelungen und Erweiterungen sowie eine vernetzte und transparente Verwaltung stehen ebenfalls auf meiner Agenda: Durch die Digitalisierung der Behördenwege werden Entscheidungsprozesse beschleunigt – denn der Akt soll laufen, nicht Wirtschaftstreibende, Unternehmer oder die Bürger. Zur Verfahrenskonzentration sollen Verfahrenskoordinatoren zur Abwicklung von Großprojekten eingesetzt werden.

 

Gesetze und Verordnungen sind sowohl auf Landesauch auf Bundesebene weiter auf Sinnhaftigkeit zu durchforsten, um Wirtschaft und Industrie noch stärker zu unterstützen. Jahrelange Verfahren und Bewilligungen müssen der Vergangenheit angehören.